Der Zemmgrund stand bei uns schon länger auf der Liste. Immer wenn wir in den letzten Jahren durchs Zillertal gefahren sind, ging der Blick nach Ginzling irgendwie automatisch nach hinten ins Tal, dahin, wo der Asphalt aufhört und die Berge erst richtig anfangen. Diesmal sollte es endlich klappen. Wetterbericht top, Rucksack gepackt, GPS-Uhr geladen…was soll da schon schiefgehen.

Als Ziel hatten wir uns die Berliner Hütte ausgesucht, 2.042m, seit 1879 Stützpunkt der Sektion Berlin des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins und mittlerweile sogar denkmalgeschützt. Ehrlich gesagt klingt der Name für eine Hütte mitten im Hochgebirge schon ziemlich kurios – umso gespannter waren wir, was uns da oben erwartet. Und weil das Wetter zu schön war, um nach der Hütte gleich wieder den Rückweg anzutreten, sollte im Anschluss auch noch der Schwarzsee dran glauben.

Die Tourbeschreibung

Los ging es am gebührenpflichtigen Parkplatz beim Alpengasthof Breitlahner, 1.257m, dem letzten fahrbaren Punkt im Zemmgrund.
Von hier folgten wir dem breiten Fahrweg Nr. 523 hinein ins Tal, immer am rauschenden Zemmbach entlang.

Bereits nach kurzer Zeit kamen wir an der Klausenalm vorbei, der ersten von gleich mehreren Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke.
Die hoben wir uns aber für später auf. Der Weg stieg hier noch kaum an, gemütlich ging es weiter durch die Almflächen der Schwemmalm, während rundherum langsam die Gipfel des Zillertaler Hauptkamms ins Bild rückten.

Nach rund 4,5 Kilometern, also ungefähr auf halber Strecke, erreichten wir die Grawandhütte auf 1.636m, direkt im Angesicht eines ziemlich imposanten Wasserfalls.
Ein guter Punkt für eine kurze Verschnaufpause und einen Blick zurück ins Tal.
Ein paar Kehren weiter verengte sich der Zemmgrund spürbar, aus dem breiten Fahrweg wurde ein etwas anspruchsvollerer, aber immer noch gut angelegter Bergweg.

In sanften Windungen ging es weiter bergan, vorbei an schroffem Almgelände, bis nach knapp 7 Kilometern die Alpenrosenhütte auf 1.873m auftauchte. Von hier aus war die Berliner Hütte schon fast zum Greifen nah…zumindest optisch. Die letzten gut 160 Höhenmeter hatten es dann aber noch mal in sich: Der Weg bog kurz hinter der Hütte links ab, führte über den alten Saumpfad und an einem kleinen Kriegerdenkmal vorbei spürbar steiler nach oben.

Und dann, fast wie aus dem Nichts, stand sie vor uns: die Berliner Hütte, thronend im Talschluss des Zemmgrunds, mit dem imposanten Panorama der vergletscherten Dreitausender des Zillertaler Hauptkamms im Rücken. Der historische, holzgetäfelte Speisesaal, von dem wir vorher gelesen hatten, ließ sich von außen nur erahnen. Allein die Lage der Hütte machte aber klar, warum sie zu den bekanntesten Stützpunkten der Alpen zählt.

Nach 9,4 Kilometern und 810 Höhenmetern reinem Aufstieg hieß es an dieser Stelle erst mal: Rucksack ab, hinsetzen, Rast.

Gestärkt und mit Blick auf die Uhr, es war gerade mal kurz vor Mittag, fiel die Entscheidung leicht: Der Schwarzsee sollte auch noch drin sein. Oberhalb der Hütte zweigte der Weg Nr. 502 ab, zunächst durch niedriges Latschengebüsch, dann in stetiger Steigung über den südseitigen Grashang des Ochsnermassivs.

Nach etwa der Hälfte des Abstechers, bei rund 3 Kilometern, querten wir einen kleinen Bachlauf.
Direkt dahinter teilte sich der Weg: rechts ging es hinüber Richtung Schwarzenstein-Gletscher, links weiter zum Schwarzsee und zum Plattenkopf.
Wir hielten uns links und nahmen die letzte, etwas unwegsamere Geländestufe vor dem See noch mit.

Und dann lag er vor uns: der Schwarzsee, 2.471m, ein großer Bergsee in beeindruckender Hochgebirgskulisse.

Das Wasser, klar, grün aber kalt, lud einige Wanderer zum Baden ein.
Zwei ziemlich dicke Murmeltiere beobachteten uns von der gegenüberliegenden Uferseite.
Ein Platz, an dem man gerne noch eine Weile sitzen bleibt, einfach um zu schauen.

Nach ausgiebiger Rast am Ufer ging es auf demselben Weg zurück zur Berliner Hütte, noch mal 6 Kilometer und rund 460 Höhenmeter für diesen Abstecher, die sich für das Panorama am See aber restlos gelohnt hatten.

Fazit

Ein Aufstieg, der von der ersten bis zur letzten Minute Spaß macht: unten breit und gemütlich, oben fordernd und alpin, und mit der Berliner Hütte ein Zwischenstopp, der schon für sich die Anfahrt ins hinterste Zillertal wert ist.

Der Abstecher zum Schwarzsee ist die perfekte Zugabe für alle, die nach der Hütte noch nicht genug haben: noch mal ein ordentlicher Anstieg, dafür mit einem der schönsten Hochgebirgsseen der Zillertaler Alpen als Belohnung.

Würden wir die Tour wieder so gehen? Auf jeden Fall, dann aber vielleicht mit Übernachtung auf der Hütte, um am nächsten Tag gleich noch tiefer in den Berliner Höhenweg einzusteigen. Der Zemmgrund hat definitiv noch mehr zu bieten, als wir an diesem einen Tag mitnehmen konnten – und wer weiß, vielleicht sehen wir den Schwarzenstein-Gletscher beim nächsten Mal dann auch noch aus der Nähe.

Art der Strecke

Breiter Fahrweg im unteren Teil des Zemmgrunds, ab der Alpenrosenhütte steilerer, gut angelegter Bergweg. Zum Schwarzsee schmalerer Steig über Grashänge und Latschenfelder.

Wegweisung /Ausschilderung

Durchgehend gut, Weg Nr. 523 kaum zu verfehlen. Auch Weg 502 zum Schwarzsee gut markiert, an der Wegteilung nach dem Bachlauf links halten.

Einkehrmöglichkeiten

Klausenalm, Grawandhütte, Alpenrosenhütte, Berliner Hütte

Fotospots

Blick zurück ins Tal ab der Grawandhütte, Serpentinen zur Alpenrosenhütte, Berliner Hütte vorm Gletscherpanorama, Schwarzsee mit Spiegelung von Möseler, Turnerkamp und Hornspitzen

Anspruch

Aufstieg zur Berliner Hütte technisch unschwierig, konditionell fordernd, vor allem im letzten Stück.
Abstecher zum Schwarzsee wegtechnisch einfach, aber nochmal zusätzliche Höhenmeter.

Parken, Anfahrt

Über Mayrhofen und Ginzling bis zum Alpengasthof Breitlahner, dort kostenpflichtiger Wanderparkplatz.

Tipps

  • Früh starten
    Gerade im Hochsommer lohnt sich ein früher Start, wegen der Hitze im unteren, schattenlosen Teil des Zemmgrunds und wegen der Parkplatzsituation am Breitlahner.
  • Genug Zeit einplanen
    Wer den Schwarzsee mitnehmen will, sollte großzügig planen. Mit Rast an der Hütte kommt locker ein Acht-Stunden-Tag zusammen.
  • Hütte vorher checken
    Die Berliner Hütte ist beliebt, an schönen Sommertagen kann es voll werden. Eine kurze Nachfrage vorab schadet nicht, gerade bei Übernachtungsplänen. Am besten vorher buchen

Höhenmeter bis zum Ziel

Aufstieg Breitlahner–Berliner Hütte: 810m bergauf, 20m bergab.
Abstecher Berliner Hütte–Schwarzsee (hin und zurück): 460m bergauf, 450m bergab.

Streckenlänge

9,40km (Aufstieg) + 6,00km (Abstecher Schwarzsee) = 15,40km

Dauer

Gehzeit Aufstieg: 02:50 Std.
Gehzeit Abstecher Schwarzsee: 02:39 Std.

Gesamt rund 5,5 Std. reine Gehzeit, ohne Pausen.

Die Tour bei Komoot