So langsam wollte ich mich rantasten…an größere Touren mit dem Rad, um vor allem mich und meine Ausrüstung auszutesten.
Wieviel muss ich essen und trinken? Was macht die Muskulatur mit? Wie bewähren sich die Reifen und die neuen Taschen am Fahrrad?
Viele Gedanken im Vorfeld schwirrten mir durch den Kopf und viele Fragen galt es zu beantworten.
Nachdem ich die erste längere Tour dieses Jahr bei geringen Plusgraden gefahren war und der letzte Versuch, die berühmte „Schippe“ draufzulegen, am nasskalten Wetter gescheitert war, bot sich eine Urlaubswoche im April mit besten Sonnenschein förmlich an.
Mein Plan: Über den Elsterradweg nach Zeitz, dann von dort den noch unbekannten Zuckerbahnradweg bis hin zur Saale und dann weiter bis Jena zu fahren, um dann wieder nach rund 120km zu Hause anzukommen.
Und vorweg: 120km klingt jetzt für geübte Radfahrer nicht viel- das stimmt auch, aber ich will mich langsam rantesten und nicht bei einer Aktion „rauf auf das Rad und 400km bei einer Bikepacking-Tour“ scheitern, nur weil ich keine Ahnung hatte…
Die Tourbeschreibung
Meine Tour begann genau so wie mein letzter Versuch (ja, genau-der Wetterabbruch): Mehr oder weniger rasant durch das nun sonnige Mühltal und im Anschluss auf der alten Bahntrasse nach Hartmannsdorf, um dann bei Crossen die Weiße Elster zu überqueren und somit auf dem Elsterradweg zu gelangen.
Nach nicht einmal einer Stunde auf dem Rad, überquerte ich die Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt, machte die erste kleine Pause für einen Bananensnack und fuhr zügig in Richtung Zeitz, auf den schon bekannten Radweg, weiter.
Ein kurzes Stückchen ging es am künstlich angelegten Mühlgraben entlang, der einst 4 Mühlen in Zeitz mit Wasser speiste, bevor ich in der Nähe wieder die Weiße Elster überquerte und somit auch den Elster-Radweg wieder verließ.
Kaum 1,5km später, nach der Durchquerung des Ortsteils Grana, erreichte ich schließlich meinen zweiten Radweg dieser Tour: Der Zuckerbahnradweg begann.
Schon die ersten Kilometer überraschen mich: Wenig los (ok, war ja auch mitten in der Woche), toll asphaltiert, regelmäßig erbaute überdachte Pausenplätze mit Wegweisern und Infotafeln. Toll!
Zeit- und Streckenmäßig voll im Plan, legte ich am ehem. Bahnhof in Droyßig meine 2. Pause ein. Ein schön gemachter Pausenplatz mit Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, einer übersichtlichen Karte und einer Infotafel für die Ortschaft mit Audioguide. Klasse gemacht und gut gepflegt.
Ein idealer Platz, um die zweite Banane im Gepäck zu essen und ein wenig zu Trinken.
Weiter ging es grob in Richtung Osterfeld. Bei Straßenüberquerungen mussten beidseitig wegversperrende Poller umfahren werden, die man aber von weitem schon sehen konnte.
Schnell wurde die Autobahn A9 erreicht, die mit einer Brücke sich über den Radweg und das kleine Tal spannte. Und natürlich sah man immer wieder die Spuren der alten Bahntrasse mit den Bahnhöfen, die mal heruntergekommen waren aber auch wunderschön renoviert wurden.
Auch gab es auf dem Radweg auch immer wieder Abschnitte, die leicht abschüssig waren, obwohl die Strecke bislang eher flach war. Hier konnte man ordentlich Tempo machen und die Kilometer abspulen.
Bei Utenbach, bei Kilometer 55, fiel, neben der schönen Pausenmöglichkeit am Rand, vor allem der schön renovierte Wasserturm mit tollen Gartengrundstück auf. Eine richtige Augenweide.
Laut den Streckenbeschreibungen auf den großen Übersichtstafeln am Rand des Weges, sollte dieser Bereich gar nicht so gut ausgebaut sein, doch umso erfreulicher war es zu sehen, dass scheinbar der gesamte Radweg nun durchgehend top ausgebaut wurde.
Bei Crauschwitz führte eine Brücke über die Landstraße und dann ging es die nächsten Kilometer stetig bergab. In den Pedale treten und den Fahrtwind genießen. Herrlich.
In der Ortschaft Tümpling, unweit der Saale, bog der Zuckerbahnradweg für das letzte Stückchen nach rechts ab, eher er wenig später auf den Saaleradweg stieß.
Ich jedoch, folgte den Weg nach Camburg, kam an den Muschelkalkfelsen vorbei, die dicht am Wegrand stehen und erreichte kurz darauf Camburg.
Nun ging es entlang der Saale weiter. Die Strecke war mir durch mehrere Fahrten gut bekannt und so erreichte ich schnell den Rastplatz Döbritschen, an den ein Halt fast schon obligatorisch ist. Eine Bewirtung an den Wochentagen findet zwar seit 2 Jahren nicht mehr statt, dennoch war ein kleiner Abstecher ein Muss, denn ich wollte unbedingt mal sehen, was sich in den letzten Monaten verändert hat.
Über den Saaleradweg erreichte ich auch schnell Dornburg, überquerte den Fluss und nutzte die Aussicht von der Carl-Alexander-Brücke, um wieder ein Bild von den hoch liegenden Schlössern zu machen.
So langsam bekam ich auch Hunger und ich mir kam der Imbiss im Zeltplatz Porstendorf in den Sinn. Daher ließ ich die kleine Hofbäckerei in Dorndorf liegen und fuhr weiter in Richtung Süden.
Nach fast genau 85km im Sattel, erreichte ich schließlich Porstendorf und stellte enttäuscht fest, dass auch hier nur ein Wochenendbetrieb stattfand. Nun gut, da musste eben wieder das Gel herhalten, bevor ich mich ins nahe Jena aufmachte.
Der Radweg nach Jena lässt sich richtig gut und zügig fahren- schnell erreichte ich die Kunitzer Holzbrücke und überquerte hier die Saale, bevor es in ein Kleingartengebiet ging.
Noch kurz führte der Weg durch ein Wohngebiet, bevor ich in der Nähe des Bahnhofes Paradies in die langgezogene Parkanlage östlich der Saale kam.
Hier war auf den Wegen viel los: Fußgänger, Sportler und auch de Radfahrer, die, wie ich, zügig unterwegs waren. Vorbei an den Sportanlagen des Carl Zeiss Jena und dann weiter bis zum Stadtteil Lobeda, bevor ich die Stadtgrenze erreichte und grob entlang des kleinen Flusses Roda in Richtung Stadtroda fuhr.
Mittlerweile hatte ich einen dreistelligen Kilometerzähler erreicht und ich merkte deutlich, wie die Kräfte schwanden- Der Gegenwind machte es natürlich nicht besser.
Immer wieder überlegte ich mir, welchen Weg ich nach Hause nutzen wollte: Entlang der Landstraße und stetig bergauf oder doch lieber den Waldweg durch den Zeitzgrund ?
Ich entschied mich schließlich für Option 2 und war damit zufrieden, denn unerwarterweise war der Weg durch durch das Tal mittlerweile gut befahrbar und nicht schlammig.
Und so ging es die letzten 11 Kilometer durch einen sonnendurchfluteten Wald, immer leicht bergauf, bis ich mein Ziel erreichte.
Fazit
Für mich war es eine Herausforderung, eine solche Tour zu fahren. Nicht nur von der Länge der Strecke her, sondern auch von der Geschwindigkeit. Zwar waren es keine (Geschwindigkeits-)Rekorde, die ich aufgestellt habe (nun gut, bei meinen Garmin-Profil schon), aber dennoch war von Trödeln oder gemütlichen Dahinradeln keine Spur.
Ich versuchte schon, zügig voranzukommen und das gelang mir eigentlich auch. Meine Ziele, mich, das Fahr-und Essensverhalten und die Ausrüstung zu testen, habe ich erfüllt und ich bin zufrieden.
Die Strecke ist richtig gut zu fahren- die Radwege sind sehr gut ausgebaut, gut ausgeschildert und in regelmäßigen Abständen gibt es Pausenmöglichkeiten.
Mir hat die Tour richtig Spaß gemacht und mit den gewonnen Wissen, kann ich mich nun noch besser auf längere Touren vorbereiten.
Höhenmeter bis zum Ziel
1060m bergauf, 1040m bergab
Streckenlänge
122km
Dauer
reine Fahrzeit: rund 5,5h








































