Madeira hatte mir schon in den Tagen zuvor gezeigt, wie schnell sich hier oben in den Bergen das Wetter drehen kann.
Trotzdem war ich an diesem Morgen ziemlich optimistisch: blauer Himmel über Fontes, kaum eine Wolke am Horizont. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Genau dieser Optimismus sollte uns für die nächsten knapp fünf Stunden im Minutentakt widerlegt werden.
Ziel war der Chão dos Terreiros, 1.436m, ein Panoramaberg mitten im Bergland rund um Fontes, mit Blick auf so ziemlich alles, was Madeira an Gipfeln zu bieten hat, den markanten Pico Grande inklusive. Zumindest in der Theorie.
Die Tourbeschreibung
Los ging es an einer kleinen Parkbucht, unweit entfernt von Fontes. Nach ein kurzen Stück zurück in die Ortschaft, führte ein steiler Teerweg bergauf, vorbei an ein paar halb verfallenen Madeira-Häuschen. Am oberen Dorfrand ging dieser Teerweg in einen breiteren, von Maronenbäumen gesäumten Wirtschaftsweg über.
Kaum unterwegs, kam ich schon an dem ersten dichten Nebel an, die Sonne schien ab und zu hindurch und hinterließ diesen schönen Sonnenstrahlen, die man nur im Nebel gut sieht.
Nach knapp einer Stunde Aufstieg, mittlerweile wieder mit deutlich mehr Sicht, weil sich der Nebel ebenso schnell verzogen hatte, wie er gekommen war, öffnete sich der Blick hinunter ins Ribeira-Brava-Tal. Kurz darauf schwenkte der Weg sanft ansteigend nach Osten, und ich konnte unter mir gut den bereits zurückgelegten Aufstieg verfolgen.
Hier fand ich eine schöne Stelle, auf einen glatten Felsen, um eine Pause zu machen, die Drohne fliegen zu lassen und die sich schnell bewegenden Wolken zu beobachten.
Der Pico Grande schob sich langsam ins Bild, mal klar zu erkennen, mal hinter einer Wolkenbank verschwunden. Dieses Spiel aus Sonne und Nebel sollte mich für den Rest des Tages begleiten, kaum hatte ich uns an einen Ausblick gewöhnt, war er auch schon wieder weg.
Steinmännchen leitete mich schließlich, rechts haltend, auf eine von Ginster bewachsene Kuppe zu, oben angekommen stand vor mir die vierkantige Gipfelsäule des Chão dos Terreiros, 1.436m, die ich als „Gipfelkreuz“ gar nicht so wahr nahm. Ich folgte einen kleinen Pfad und kam nach rund 500m an eine Art Aussichtspunkt an, von den man einen guten Blick wieder ins Tal und auf die gegenüberliegenden Berge hatte. Hier blieb ich eine Weile, um mir das Wechselspiel der Wolken anzusehen:
Tief unten sah ich das sonnendurchflutete Tal und zwei Minuten später war ich mitten in dichten Wolken, die aus dem Tal nach oben kamen. Ich unterhielt mich eine zeitlang mit einen deutschen Wanderer, der auch den Weg hierher gefunden hatte und warteten so zusammen auf den kurzen Moment, in dem wir auf den Pico Grande schauen wollten. Doch dieser Moment kam leider nicht und so setzte ich meinen Weg im Nebel bzw. in der Wolke weiter fort.
Wieder ging ich in Richtung Gipfel, um von dort an, entlang eines Zaunes, zu gehen, ehe es auf einen kleinen Pfad bergab ging. Vorbei an einen Wasserspeicher, kam ich auf den Hauptweg, der mich schnell tiefer brachte.
Hier fielen mir die vielen, scheinbar durch Brände, schwarzen Bäume auf, die gespenstisch im Nebel standen.
Der Nebel klarte mit jeden Meter tiefer immer mehr auf und öffnete das grüne Tal vor mir.
An den Seiten des Weges konnte ich große Flächen sehen, auf denen neue Bäume gepflanzt wurden -auch ein Indiz dafür, dass tatsächlich hier mal ein Feuer gewütet haben muss.
Nach rund 11km, erreichte ich eine geteerte Straße, ganz in der Nähe eines Hauses, das vermutlich einer Forstbehörde gehörte. Von hier an ging es zügig abwärts- durch einen Eukalyptuswald, den ich als solches gar nicht bemerkte.
Schnell konnte ich auch schon die ersten Häuser von Fontes sehen- ein Zeichen, dass ich unweit der Straße war, an dem das Auto stand. Und, Glück muss man haben, kam ich auch an dem raus.
Fazit
Obwohl es trocken war, war der ständige Wechsel zwischen Wolken, Nebel und Sonne am Chão dos Terreiros etwas Besonderes. Landschaftlich toll, mit schönen Blicken in das Tal und auf die hohen Berge, die sich jedoch meistens in den Wolken versteckten.
Wer den Gipfel bei klarer Sicht erwischt, wird mit einem der schönsten Panoramen Madeiras belohnt.
Und dass dieser beliebt ist, zeigte auch die begleiteten Offroad-Fahrten, die sich den Weg nach oben bahnten.
Eine wirklich interessante und vor allem ruhige Runde, da ich beim Abstieg komplett alleine war und einfach die Ruhe genießen konnte.
Tipps
- Schichten einplanen
Bei so schnellen Wetterwechseln lohnt sich Kleidung zum An- und Ausziehen, an diesem Tag war alles von T-Shirt bis Regenjacke im Einsatz. - Geduld am Gipfel
Wer bei Nebel oben ankommt, lohnt sich oft ein paar Minuten Wartezeit, die Wolken können genauso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. - Früh starten!
Am Vormittag war das Wetter insgesamt noch stabiler, im Tagesverlauf nahm der Wolkenanteil spürbar zu.
Höhenmeter bis zum Ziel
620m bergauf, 610m bergab
Streckenlänge
12,7km
Dauer
Gehzeit: 04h 45min





































