Und wieder startete ein neuer Tag auf der wunderschönen Insel Madeira. Die dritte Wanderung stand an und wie auch zuvor, plante ich am Vorabend beim Abendessen die Route.
Aber im Gegensatz zu Mallorca, wo das auch wunderbar funktionierte, musste ich die Bezahlrouten und die damit zusammenhängende Buchung bedenken und so war es nötig geworden, einen groben Plan für die Woche zu haben.
Und so suchte ich mir die zu buchenden Routen raus, buchte sie bereits und füllte den Rest des Urlaubs mit Touren, die an keine Buchung gebunden waren.
Diese Route suchte ich mir heraus, weil ich auch mal in den Westen der Insel fahren wollte und dort der Massenwandertourismus nicht so ausgeprägt ist wie auf der restlichen Insel.
Die Tourbeschreibung
19 Kilometer Luftlinie vom Hotel entfernt hieß: 36km Fahrtstrecke und das bei knapp 1h Autofahrt. Bedingt durch die ohnehin nicht hohe Durchschnittsgeschwindigkeit, kamen viele Tunnel, Bergabschnitte und enge Straßen hinzu, die die eigentlich nicht lange Strecke zeitlich in die Länge streckten.
Ganz bewusst hatte ich dabei die nördliche Route gewählt, da ich diese zuvor noch nicht gefahren war und eine Abwechslung zu der „Standardroute“ nach Ribeira Brava suchte.
Vorbei an Seixal und an Porto Morniz, ging es dann in die Berge und schließlich in die kleine Ortschaft Pedregal, in der der Startpunkt meiner Tour sein sollte. In einer Seitenstraße am Rand geparkt, ging es dann für mich los.
Das Warmwandern ging prompt los…Fast gerade führte der Weg mit durchschnittlich 12 % Steigung rund 1,2km bergauf, bis ich den Abzweig zur Levada erreichte. Streckenweise begleitet von einen schönen Vierbeiner, war der Ansteig recht schnell geschafft.
Trotz der milden Temperaturen hatte ich ein langes aber dünnes Oberteil angezogen, dass den Wind ein wenig abhielt und mich vor der Sonne schützte.
Die Levada Nova da Calheta, an der es nun entlang ging, ist ein rund 40km langer kleiner Kanal, der in einer Höhe von 600-700 m fließt und im Südosten der Insel beginnt.
Auf meinen Tourenabschnitt, verläuft sie oberhalb der Küstenorte und in rund 2km Abstand zur Steilküste.
Auf über 4km Länge, schlängelt sie sich durch die Landschaft, vorbei an Wäldern , teilweise mit Eukalyptus-Bäumen und vor allem Farnen.
Nach knapp einer Stunde und teilweise aufkommenden Wind, endete die Levada an einen Reservoir. Ich folgte der Straße abwärts in das Örtchen Gabo und erreichte nach rund 1,5h die kleine Kapelle mit den Namen „Unsere Liebe Frau vom guten Tod“.
Diese Kapelle ist gleichzeitig auch der Ausgangspunkt für einen rund 300m langen Weg zum Aussichtspunkt Boa Morte, der einen spektakulären Blick über die Küste bot. Ideal für eine Pause auf der Wiese oder an der aufgestellten Schaukel.
Der Wind wehte jedoch sehr heftig, so dass an ein Drohnenfliegen nicht zu denken war und selbst die Mütze musste ich verpacken, da sonst die Gefahr drohte, sie rund 300m weiter unten am von Wellen tosenden Steinstrand wiederzuholen. Wunderschön anzusehen, wie die Wellen an die Küste prallten und das Wasser sich in allen Blautönen zeigte.
Zurück an der Kapelle und einer kurzen Pause, folgte ein 1,2km langer und einfacher Weg zum nächsten Aussichtspunkt, der sich Pico Vermelho nennt. Direkt an der Klippe befindlich, konnte ich hier auch wenig am Rand entlanglaufen und den ebenso sensationellen Blick bis hin zum Leuchturm an der Ponta do Pargo erhaschen. Dieser Leuchturm ist gleichzeitig der westlichste Punkt der Insel.
Für mich bei solchen Aussichten immer wieder beeindruckend: Anstatt der erwartenden felsigen Steilküste, ist selbst diese fast ausschließlich grasbewachsen und in saftigen Grün getaucht.
Auch hier war der starke Westwind vorhanden und machte jeden Gedanken ans Drohnenfliegen, trotz vermutlich toller Aufnahmen, zunichte.
Zurück auf dem Weg, führten mich die folgenden 2km durch kleinere Ortschaften, bei denen es mir richtig auffiel, dass viele der kleinen Steinhäuser leer standen und zerfielen, während an anderer Stelle ebenso viele neue Häuser (und die auch wirklich fast prunkvoll wirkten) entstanden. So verdrängte die Moderne auch ein wenig den Charme der kleinen Ortschaften.
Nach beinahe 30min kam ich wieder in der Nähe meines Parkplatzes an, aber ein weitere Aussichtspunkt, der ursprünglich nicht Teil meiner Route war, lag faktisch in unmittelbarer Nähe.
Also gab es den Entschluss: Plan verwerfen und nochmal zur Küste.
Hier stellte sich heraus, dass dieser Aussichtspunkt, der Garganta Funda, scheinbar beliebter war als die vorherigen. Ein Grund war bestimmt auch, dass man recht gut in die Nähe mit den Auto fahren konnte.
Neben den starken Wind, fiel aus erstes der große Wasserfall, der 140m tief stürzte und sich zylinderförmig den Weg durch den Fels nach unten gebahnt hatte. Überall wieder sattes grünes Gras soweit man sehen konnte.
Da sich der scheinbar offizielle Aussichtspunkt 50m vor der Steilküste befand, entschloss ich mich, wie viele andere auch, den kleinen Weg zum Felsen zu wagen, der direkt an der abfallenden Kante lag.
Es war schon ein mulmiges Gefühl, auf einen Felsen zu sitzen, an den unmittelbar es 250m tief zum Strand abwärts ging. Obwohl ich auch einen kleinen aber nicht verzeichneten Pfad nach unten ausmachen konnte, wusste ich nicht, ob dieser direkt bis zur Steinküste führte.
Nach einiger Zeit machte ich mich wieder auf den Rückweg zum Auto, aber entschied mich dazu, den Leuchtturm nicht mehr zu besuchen, da ich mit zu vielen Menschen rechnen musste.
So machte ich mich anschließend, wieder ganz in Ruhe, auf den Rückweg in mein Hotel.
Was für eine Aussicht! Dafür hat es sich wirklich gelohnt, den kleinen Umweg in Kauf zu nehmen.
Fazit
Ich muss zugeben: Während der Wanderung entlang der Levada, hätte ich nicht damit gerechnet, was da noch später auf mich zu kam. Ja, auch wenn Komoot mich mehr oder weniger darauf vorbereitet hatte, übertrafen die 3 Aussichtspunkte meine Erwartungen.
Alleine dafür hätte sich die Anfahrt schon gelohnt.
Aber so bekam ich ein tolles Kontrastprogramm geboten, beginnend von einer plätschernden Levada, über stürmische Abschnitte bis hin zu atemberaubenden Aussichten.
Es hat sich gelohnt!
Höhenmeter bis zum Ziel
500m bergauf, 510m bergab
Streckenlänge
12,5km
Dauer
Gehzeit inkl. kurzer Pausen: 3h45min










































