Einfach war es nicht. Bei Temperaturen um die 35 Grad machte ich mich in Richtung Leipzig auf, mit im Gepäck eigentlich nur eine Frage:

Welche Tagesetappe ist bei einer Bikepackingtour für mich überhaupt realistisch drin? Die Antwort sollte ich mir an diesem Tag ziemlich schweißtreibend selbst erarbeiten.

Kein Ziel im klassischen Sinn also, eher ein Test.
Also aufs Gravelbike, Wasserflaschen randvoll, GPS-Uhr gestartet…und los, noch bevor die Hitze richtig zugeschlagen hat.

Die Tourbeschreibung

Los ging es über den Elsterradweg, immer der Weißen Elster nach Norden folgend, gut ausgebauter Asphalt unter den Reifen,
angenehmes Tempo und am frühen Morgen noch erträgliche Temperaturen.
Diesen ersten Abschnitt bin ich tatsächlich schon einmal gefahren, damals mit Nico, allerdings nur bis zum Zwenkauer See. Diesmal sollte deutlich mehr draus werden.

Über Zeitz und Pegau ging es weiter nach Norden, der Elsterradweg zeigte sich hier größtenteils in richtig gutem Zustand, glatter Asphalt, kaum Steigungen,
ideal um früh am Tag noch etwas Strecke zu machen, bevor die Sonne ernst macht.
Und ernst machte sie an diesem Tag ziemlich schnell. Schon am Vormittag kletterte das Thermometer spürbar, und je weiter es Richtung Leipzig ging, desto weniger Schatten bot die Strecke.

Nach rund 60 Kilometern erreichte ich den Zwenkauer See, und die Abkühlung dort kam genau zur richtigen Zeit.
Rein ins Wasser, kurz durchatmen, dann weiter.
Ohne diesen Stopp wäre der restliche Tag vermutlich noch mal eine Nummer härter geworden.
Allerdings entfaltete die Sonne danach ihr volle Kraft und die Kilometer wurden gefühlt immer länger.

Kurz danach, nachdem ich den Cospudener See passiert hatte, in Gaschwitz, folgte der nächste Pflichtstopp: Reuters Radlerhof.
Ein Radler und ein Eis später ging es mir spürbar besser, sowohl körperlich als auch mental.

Genau solche kleinen Stopps sind es am Ende, die über eine lange Tagesetappe entscheiden, nicht die reine Kilometerzahl.

Von dort ging es an mehreren Seen des Leipziger Neuseenlands vorbei, Markkleeberger See und ein paar kleinere dazwischen, teils auf gut ausgebauten Radwegen,
teils auf schmalen, unbefestigten Pfaden mit ordentlich losem Untergrund.

Landschaftlich war das mit Abstand der schönste Abschnitt der Tour: viel Wasser, viel Grün, immer wieder Ausblicke über die Seen.

Irgendwann drehte ich dann Richtung Süden ab, und genau hier zeigte sich, warum die Tour am Ende „Kampf mit der Sonne und sich selbst“ heißen sollte.
Die Sonne stand mittlerweile fast senkrecht, kaum Schatten weit und breit, und der Asphalt gab die Hitze gefühlt genauso schnell wieder ab, wie er sie aufgenommen hatte.

Bei etwa Kilometer 100 kam dann das, was bei langen Touren früher oder später eigentlich immer kommt:
ein mentales Tief. Beine schwer, Kopf leer, Motivation im Keller.

Geholfen haben zwei Dinge: der Wechsel von Musik auf einen Podcast in den Kopfhörern, und eine weitere, etwas längere Erholungspause im Schatten.
Beides zusammen hat mich wieder rausgeholt.

Kurz danach folgte in Espenhain die nächste, dringend nötige Nachversorgung: im dortigen Netto-Markt gab es noch mal reichlich Wasser und ein paar Bananen, quasi Nachschub für die letzten Kilometer.

Von hier aus ging es weiter durch Meuselwitz und Richtung Gera. Auf den letzten Kilometern ließ ich es dann bewusst langsam angehen.
Die Energie war spürbar am Ende, und nach 164 Kilometern und 7:42 Stunden reiner Fahrzeit war das auch völlig in Ordnung so.

Geschafft ist geschafft.

Fazit

Kein Bergpanorama, keine Postkartenmotive, dafür jede Menge Hitze, ein ordentliches Loch bei Kilometer 100 und am Ende die Gewissheit: 164 Kilometer an einem Tag sind machbar, aber bei 35 Grad definitiv nicht das, was ich als komfortables Bikepacking-Pensum bezeichnen würde.

Für den nächsten Bikepacking-Trip weiß ich jetzt zumindest, woran ich bin. Vermutlich landet die Tagesetappe dann eher irgendwo zwischen 100 und 130 Kilometern, mit deutlich mehr Pufferzeit für Pausen und Abkühlung. Aber genau dafür sind solche Testfahrten ja da.

Würde ich die Strecke noch mal fahren? Ja, aber garantiert nicht mehr bei dieser Hitze. Nico hat in den Kommentaren von Komoot übrigens ziemlich treffend gefragt, ob ich schon mal aufs Thermometer geschaut hätte.

Kurze Antwort: Ich hab’s gemerkt. Die Sonne hat an diesem Tag definitiv mitgekämpft, gewonnen habe am Ende aber trotzdem ich.

Art der Strecke

Größtenteils gut ausgebauter, glatter Asphalt entlang der Weißen Elster und um die Leipziger Seen.
Dazwischen einzelne Schotter- und Gravelabschnitte mit losem Untergrund, vor allem im Bereich des Neuseenlands.

Wegweisung /Ausschilderung

Elsterradweg durchgehend gut beschildert, im Bereich der Leipziger Seen an Kreuzungen etwas aufmerksamer navigieren.

Einkehrmöglichkeiten

Es gibt genug Möglichkeiten entlang der Strecke sich zu versorgen (allerdings ist meist ein kleiner Umweg nötg)
Reuters Radlerhof in Gaschwitz (Radler & Eis), Kiosk am Zwenkauer See,

Fotospots

Zwenkauer See, Cospudener und Markkleeberger See sowie weitere Seen im Leipziger Neuseenland

Anspruch

Konditionell fordernd, vor allem wegen der Streckenlänge und der Hitze an diesem Tag. Wegtechnisch unproblematisch, überwiegend flach.

Parken, Anfahrt

Man kann überall entlang der Strecke kostenfrei parken und in die Tour einsteigen

Tipps

  • Sonnencreme nicht vergessen!
    Bei so heißen Tagen droht sonst abends ein böses Erwachen
  • Wasser einplanen!
    Bei Hitze auf so einer langen Strecke lieber einmal zu oft nachfüllen als einmal zu wenig. Gibts eine Gelegenheit nachzufüllen: Machen!
  • Badesachen einpacken!
    Alle Seen eignen sich perfekt für eine Abkühlung zwischendurch, wer badet, sollte entsprechend ausgerüstet sein.
  • Kopfhörer als Notfallplan!
    Auch wer gerne ohne Musik fährt: irgendwelche Laute im Ohr können bei einem mentalen Tief erstaunlich viel bewirken.

Höhenmeter bis zum Ziel

1.270m bergauf, 1.240m bergab

Streckenlänge

164km

Dauer

reine Fahrzeit: 07:42 Std

Die Tour bei Komoot