Achtung! Der Rucksack wurde selbst bezahlt. Niemand hat irgendwie irgendwas gesponsert.
Vorwort
Es ist Zeit fürs Bikepacking!
Während Alex den Ansatz für Mehrtagestouren auf dem Rad: „Unterkunft suchen und gut erholt am nächsten Tag weiter“ verfolgt, habe ich mich dazu entschlossen, die „klassische“ Variante mit Zelt und Schlafsack zu probieren. Beides ergeben Erfahrungswerte, von denen wir beide profitieren können.
Da ich über fast Null praktische Erfahrungen verfüge, habe ich mich in letzter Zeit intensiv mit dem Thema befasst und unzählige Videos dazu mir angesehen.
Nach langem Hin-und Her, habe ich mich für 3 Ausrüstungsgegenstände entschieden, die mir quasi als Hotel für unterwegs dienen.
Nun galt es diese mal zu testen und Möglichkeiten zu finden, diese auch am Fahrrad unterzubringen.
Eines ist mir nach den vielen Konsum mit Test- und Erfahrungsvideos klar geworden:
Im Einsteigersegment, egal ob es um Zelt, Isomatte oder Schlafsack geht, liegen die Kandidaten dicht beieinander. Sie unterscheiden sich wenig in Sachen Gewicht, Packmaß und auch im Preis-hier wird man einfach nicht z.B. das Ultraleichtzelt mit 1kg Gewicht zu einen Preis von unter 200€ finden, das dazu noch von annehmbarer Qualität ist.
Möchte man es vor allem leicht und klein, steigt der Preis ganz schnell an. Und auch weil die Anzahl der Mehrtagestouren im Rahmen bleiben wird, habe ich bewusst auf extrem teure Ausrüstung verzichtet. Sollte ich dennoch richtig Gefallen gefunden haben, sind Upgrades immer noch möglich.
Am Ende des ganzen Informationsprozesses, blieben 2 Anbieter übrig: einmal die günstige Einsteigermarkt Naturehike und die Produkte von Decathlon, die unter den Namen Simond verlauft werden.
Natürlich gibt es noch eine Vielzahl von anderen Anbietern, aber wie schon geschrieben: sie ähneln sich in diesen Preisbereich sehr und haben alle ihre Stärken und Schwächen.
Nach vielen Hin-und Her, entschied ich mich schließlich für Simond. Ausschlaggebend war dabei die Meinungen und Tests meines favorisierten Zeltes, dem MT-900, welches scheinbar das Ausgereiftere und Langlebigere gegenüber dem Cloud von Naturehike ist. Auch in Sachen Aussehen hatte das Simond für mich die Nase vorn.
Und da es bei den vielen Tests bedeutend mehr Meinungen zu den Schlafsäcken und Isomatten gab, fiel die Wahl auch hier auf Simond. Großer Pluspunkt: Im nahegelegenen Decathlon-Store konnte ich meine 3 Favoriten mir ansehen, probeliegen und auch die reellen Größe begutachten.
Das Zelt: Simond MT900 1 Person
Zugegeben: Ich habe mich bei meinen ersten Zeltaufbau nach rund 30 Jahren blöd angestellt.
Aber zum Glück war ja in der Tasche die Anleitung fest angenäht, so dass sie nicht weg kommt.
Die Unterplane mit Innenzelt war schnell ausgelegt und das Gestänge selbsterklärend zusammengesteckt. Kleine farbliche Unterschiede am Gestänge und Unterzelt halfen, alles richtig in die Ösen zu stecken und das Innenzelt ins Gestänge einzuhängen.
Schnell waren auch die Erdnägel in den trockenen Boden gebracht, auch wenn ich einige später nochmal herausziehen musste, um sie neu zu platzieren. Anfängerfehler eben.
Das Oberzelt wurde darüber geworfen und an den Erdnägeln befestigt. Ein weiteres Abspannen gegen Wind ersparte ich mir.
Später stellte ich noch fest, dass man das Oberzelt an den Gestänge anbinden sollte, um diese genau an der Naht zu haben…Egal, das Zelt stand. Nicht top, nicht faltenfrei, aber es stand.
- Gewicht
1,3kg - Packmaß
39x11cm - Packvolumen
4,2l - Innenmaße
LxBxH: 210x60x95 - Preis
189,99€
Das aufgebaute Zelt (mal abgesehen von den stümperhaften Falten) gefällt. Die Farbe (ein schönes Grau) passt gut-besser als die fast auffälligen Farben, die Naturhike anbietet. Die Form ist weit weg vom klassischen Kuppeldesign entfernt. Durch die Querstangen, verbreitert sich das Zelt nach oben, was für mehr Platz im Sitzen sorgt.
Während das Kopfteil breit zugeschnitten ist, wird es zum Fussende hin schmaler. Ein kleines Vorzelt mit „eingebauter“ Unterplane sorgt dafür, dass Schuhe, Rucksack usw. nicht im Nassen stehen müssen, auch wenn der Boden feucht ist.
Im Innenzelt ist ungefähr halbhoch der Windschutz angebracht, während der obere Teil aus Gewebe besteht und so für ausreichend Belüftung sorgt. Eine weitere Belüftung befindet links und recht auf der Oberseite des Außenzeltes: Hier lassen sich zwei Abstandshalter aufrichten, die Lüftungseingänge am Außenzelt bilden- somit kann auch an heißen Tagen die Luft durch das Zelt strömen.
Taschen im Innenbereich und ein Haken im oberen Teil, sorgen für Ablagemöglichkeiten und Befestigung für eine Lampe.
Die genutzte Isomatte von Simond passt sehr gut in das Zelt, auch wenn es räumlich eng ist, bietet es für Personen bis schätzungsweise 185cm gut Platz. Im Zelt selbst, kann man sich bequem setzen, ohne dass man an das Dach anstößt.
Durch einen großen Reißverschluss kann man das Vorzelt nach außen hin dicht machen, es auch bei Regen (mit räumlichen Einschränkungen versteht sich) nutzen oder auch einfach offen lassen.
- geringes Gewicht
- Packmaß gut
- viel Kopffreiheit
- Ersatzteile problemlos bestellbar
- Zeltgestänge ein wenig zu lang
- für große Menschen zu klein
Fazit
Durch mein Unwissen, dauerte der Erstaufbau ein wenig länger und war bei weitem nicht so gut, dass ich mich damit in Zukunft zufrieden geben möchte, doch mit ein wenig Übung wird das auf jeden Fall werden.
Rückblickend, war der Aufbau dennoch leicht und fast selbsterklärend.
Die Form und die Farbe des Zeltes gefällt mir besonders gut.
Der Platz im Innenraum ist ausreichend für nicht all so große Menschen und die Ablagefläche im Vorzelt ist groß genug und gut durchdacht. Durch das Belüftungskonzept sollte es keine Stauwärme geben- genaueres kann ich jedoch erst nach mehrmaligen Benutzen sagen.
Die Luftmatratze: Simond MT500 Größe L
Das Zelt dient dem Wetterschutz- es hält von allen Seiten trocken und winddicht. Doch von unten kommt die Kälte. Deswegen gibt es Isomatten in 2 Varianten:
1. die klassische (Roll-)matte: leicht, aber mit großen Packmaß und
2. die Luftmatratze in verschiedenen Längen, Dicken und R-Werten (gibt an, wie gut die Matratze isoliert)
Ich habe mich für das Mittelklasse-Modell von Decathlon entschieden, der MT-500 in der Größe L entschieden:
Das Air-Modell (auch mit der Bezeichung MT-500) hat zwar ein kleineres Packmaß und ist leichter, isoliert aber nicht so gut, während das höhere Modell, die MT-900, fast gleiche Maße und Gewicht hat, besser isoliert, aber auch bedeutend teurer ist. Also den Kauf der bekannten „Goldenen Mitte“.
- Gewicht
670g - Packmaß
30x12cm - Packvolumen
3,4l - Liegefläche
180x52x5cm - R-Wert
3,3 - Preis
74,99€
Die Isomatte ist, wegen ihrer Länge von 180cm, nichts für große Menschen. Für mich reicht es- habe ich beschlossen. Nicht nur weil ich auf dieser Platz finde, auch weil das größere Modell schwerer und das Packmaß größer ist.
Vorbei sind auch die Zeiten, an denen man per Mund eine solche Isomatte aufpusten musste. Hier dient der Packsack mit einen Plastikadapter als Füllhilfe.
Einfach am Eingang angeschlossen, wird Luft in den Packsack gebracht (es reicht hier ein leichtes Pusten) und im Anschluss wird dieser zusammengerollt. So wird die Luft in die Matte gepresst, bis sie nach 4-5 Vorgängen komplett gefüllt ist. Das Rückschlagventil sorgt dafür, dass beim Abnehmen des Packsacks die Luft nicht wieder herausströmt.
Einfach, aber effizient.
Die Isomatte ist, gegenüber den höherpreisigen Modell mit 5cm Höhe nur etwa halb so hoch, was aber theoretisch nicht stören sollte, sofern man nichts gegen einen härteren Untergrund hat. Denn viel Luft rauslassen zum weicheren Liegen ist nicht.
Was positiv auffällt sind die, auf der Oberfläche aufgebrachten, Silikonteile. Diese verhindern ausgesprochen gut, dass der Schlafsack auf der Matte Hin und Her rutschen kann.
Wer lange nicht auf einer Luftmatratze gelegen hat, muss sich erst einmal wieder dran gewöhnen. Auf den länglichen Luftkammern ist ein Liegen am Anfang komisch, dennoch gewöhnt man sich schnell daran. Wer es bequemer haben möchte, der ist natürlich mit einen Modell mit quer angeordneten Luftkammern oder mit einer dichteren Struktur besser beraten.
Der Schlafsack wird durch die Silikon-Teile gut gehalten und auch ein Drehen im Schlafsack führt nicht dazu, dass man von der Matte rutscht.
Sobald man auf der Isomatte lieg, merkt man deutlich „wie warm sie wird“, besser: wie gut sie isoliert.
Ich hatte ein immer das Gefühl, dass sie von unten wärmt.
Der Liegekomfort ist gut, nie hatte ich Bodenkontakt und auch die geringe Breite machte mir nichts aus. Auch mit der geringe Länge von 180cm hatte ich keine Probleme.
Größere Menschen sollten aber die XL-Variante mit 195cm Länge nehmen.
Ach, ein Liegen auf den puren Boden ist weniger ratsam, da schnell die Luftkammern beschädigt werden können.
- kompaktes Packmaß
- Silikonpatches funktionieren gut
- guter Liegekomfort
- gute Isolierung
- Packsack ist gleichzeitig Pumpe
- für große Menschen zu kleine Liegefläche
- könnte für manchen zu dünn sein (5cm)
Fazit
Der erste Test fiel für mich positiv aus:
Der Liegekomfort war gut, die Liegefläche für mich ausreichend. Ein Kälteempfinden gab es nicht, um aber hier eine aussagekräftige Meinung bilden zu können, brauche ich jedoch mehr Nutzungen bei unterschiedlichen Temperaturen.
Erstaunlich gut funktionierten die Silikonpatches- der Schlafsack rutschte nicht einmal von der Isomatte.
Der Schlafsack: Simond MT500 Polyester
Die Entscheidung für einen Schlafsack war umso schwieriger… Die große Frage, die am Anfang an stand: Daune oder Polyester?
Nach etlicher Zeit, entschied ich mich erstmal für einen Schlafsack der Firma Simond, eben weil ich den mit auch mal live im Store ansehen konnte.
Als nächstes Stand das Festlegen der Komforttemperatur an: Was brauchte ich wirklich? Mit mehr Isolierung, wächst auch das Packmaß…am Ende waren es die 5 Grad, die mir als ausreichend schienen.
Dann kam ich zur Frage des Füllmaterials. Und da war schnell klar: es wird Polyester.
Ein vergleichbarer Daunenschlafsack hatte ähnliche Maße, war aber um mehr als das Doppelte teurer. Nein, ich wollte nicht gleich übertreiben.
- Gewicht
1050g - Packmaß
35x19cm - Packvolumen
9,5l - Innenmaße
Lx B Kopf x B Fuss: 208x80x35cm - Preis
74,99€
Der MT500 ist ein typsicher Mumienschlafsack: Er verengt sich zum Fussende hin und spart dadurch Material ein, dass dem Bikepacking natürlich entgegenkommt.
Er lässt sich zu 3/4 öffnen und hat eine sehr weiche Füllung. In der kleinen Tasche im Inneren lässt sich das Handy in der Nacht verstauen.
Auch wenn ich nicht die größte Person bin, habe ich mich für die Größe L entschieden, der eine Länge von 208cm hat und für Personen von 185cm Platz gedacht ist. Lieber zuviel Platz als zu wenig war hier meine Devise. Zusätzlich konnte ich, so wie man aus Bw-Zeiten kennt, Klamotten im Packsack verstaut, mit in den Schlafsack nehmen und warm halten, wenn es doch mal frisch werden sollte.
Erstaunlicherweise ließ sich der Packsack noch sehr komprimieren und dadurch viel Platz einsparen. Apropos Packsack: Über die Öffnung lässt sich einen angebrachten Überwurf verschließen-gut, wenn es leicht regnen sollte, der Inhalt wird nicht nass.
Der Liege-und Schlafkomfort empfand ich als sehr hoch. Auch wenn ich zuvor einen Schlafsack in klassischer Form hatte, kam ich mit der Mumienform gut zurecht.
Da ich die Komforttemperatur nicht im Ansatz testen konnte, wird erst die Zukunft zeigen, was das Füllmaterial bringt.
Auch hier fehlen mir einfach die Erfahrungswerte, um ein richtiges Urteil abgeben zu können.
- Weiches Innefutter
- Packmaß gut
- lässt sich gut komprimieren
- für mich zu kleine Kopföffnung
- Fussteil könnte für manchen zu schmal sein
Fazit
Vorweg: Ob der Schlafsack hält, was er verspricht, kann ich natürlich erst nach vielen weiteren Nächten darin beurteilen.
Nach der ersten Testnacht kann ich jedoch sagen: Der Schlafkomfort gefällt mir, das Innenfutter ist weich und Anlass zu Kritik gibt es nicht.
Da ich selbst vorher eine andere Schlafsackform hatte und es daher gewöhnt war, eine größere Öffnung im Kopfbereich zu haben, muss ich mich an dieses kleine Luftloch erst noch gewöhnen.
Wie ist nun das Gesamtpaket?
Die Kombi aus Decathlon Zelt, Isomatte und Schlafsack passt!
Letztere Zwei finden bestens Platz im Zelt, dass auch noch die größere Isomatte reingepasst hätte. Farblich sticht natürlich die Isomatte rot hervor- dies aber ist nicht wirklich schlimm.
Zusammen wiegen die 3 Dinge knapp über 3kg- nicht schlecht für ein Einsteigerset. Entscheidender ist jedoch das Packmaß. Und egal wie, ohne einen horrenden Aufpreis zahlen zu müssen und vielleicht noch Abstriche zu machen, man findet nur schwer Alternativen.
Wie sieht es aber nun mit der Bikepacking-Tauglichkeit aus?
Mein Ziel war es anfangs, alle 3 Dinge in die berühmte „Arschrakete“ von Cyclite, dem Saddle Bag, zu bekommen. Ein kleines aufblasbares Kopfkissen, das ich mit gekauft hatte, aber in der Nacht nicht gebraucht habe (ich schlafe meistens sehr flach), wollte ich auch mitnehmen.
Ohne die Hüllen, passt Schlafsack und das Zelt, mit Ausnahme des Gestänges hinein. Das Zeltgestänge ist einfach zu lang, um die Tasche noch verschließen zu können. Abhilfe gibt es aber mit der flexiblen Befestigung an der Oberseite der Tasche: Wenn man auf den Regenschutz verzichtet, kann man die Isomatte und das Gestänge oben festschnallen.
Ich jedoch, hatte eh vor noch eine Lenkertasche zu holen, in der meine Klamotten rein sollten. Zelt und Schlafsack habe ich nun in der SaddleBag untergebracht, während die Isomatte in der Lenkertasche Platz findet. Dort ist noch genüg Stauraum vorhanden, um Kleidung, Hygiene usw. aufnehmen zu können.
Für das Zelt empfiehlt es jedoch, eine dünne wasserdichte Tasche noch anzuschaffen, um ein nasses Zelt nicht mit den Schlafsack direkt in das Saddle Bag stecken zu müssen. Für Minimalisten reicht jedoch auch ein Müllsack.






























