Schon öfters waren Talsperren das „Ziel“ einer Wanderung. Ob Zeulenroda, Bleiloch, Weida oder auch die Leuba- die meisten Talsperren in der unmittelbaren Umgebung habe ich bereits umrundet.
Also musste ich den Radius ein wenig erweitern und so stieß bereits vor einiger Zeit am Rande des Thüringer Waldes auf weitere Stauseen, die, zumindest vom Streckenverlauf und auf den Bildern, vielversprechend aussahen.

Als erste Talsperre auf meiner Liste hatte ich, vor allem wegen der einfachen Erreichbarkeit, die Ohratalsperre ausgesucht. Unweit von Oberhof gelegen, bietet diese Talsperre einen einfach zu laufenden Rundweg, mit einigen schönen Aussichtspunkten.

Na dann, Auto an und hin.

Die Tourbeschreibung

Die Anfahrt ist recht einfach: Ab der Autobahnabfahrt Gotha der A4 fährt man in Richtung Ohrdruf, ehe man am Ortsausgang die Bundesstraße 88 in Richtung Luisenthal verlässt. Kurze Zeit später erreicht man bereits den Parkplatz, der direkt an der Straße liegt. Das Tagesticket liegt bei 4€ (es könnten auch 3€ gewesen sein) und lässt sich mit Bargeld oder mit der EasyPark-App zahlen.

Direkt am Parkplatz befindet sich die kleine Kneippanlage, die nach einer Wanderung in den Sommermonaten sicher sehr gut den Füßen bekommt.
Hier beginnt auch der Waldweg, der aufwärts zur kleinen Umgehungsstraße führt, über die man wiederum zur Staumauer gelangt.

Für hungrige Wanderer hat die „Waldbaude am Staudamm“ von März bis November geöffnet.
Natürlich, wie sollte es auch anders sein, machte diese nur wenige Tage vor meiner Ankunft zu und ging in die Winterpause.

Aber ich war ja nicht zum Essen und Trinken hergekommen, sondern zu einer schönen Umrundung der Talsperre, die nun vor mir lag und somit die Tour endlich richtig starten konnte.

Der erste Blick in die Talsperre ist ein wenig enttäuschend: Durch die Trockenheit der letzten Monate war der Wasserstand dieser und weiterer Talsperren deutlich gesunken. Wenn ich die Markierungen am Pegelturm richtig gedeutet und gezählt habe, lag der Wasserstand 13m unter dem Vollstau- eine beachtliche Menge Wasser was hier fehlte.

Das Wasser war unglaublich still und kaum ein Windchen wehte über die Oberfläche. Die ersten Meter ging es nun über eine alte asphaltierte Straße, immer leicht bergauf, bis im Bereich der alten Bootsanlegestelle der bis dahin höchste Punkt erreicht war. Wann überhaupt mal Boote auf dieser reinen Trinkwassertalsperre gefahren sind, konnte ich nicht herausfinden. Fakt ist: Die Talsperre ist nur zum Ansehen da, Bootfahren und Baden ist hier streng verboten- lediglich Angeln ist erlaubt.

Nach rund einen weiteren Kilometer, erreichte ich eine beeindruckende Felswand, die fast senkrecht nach oben ragte. In der unmittelbarer Nähe, fand ich eine kleine Bank, die ich gleich als Startpunkt für den ersten Drohnenflug nutzte.

Bilder von der Drohne

Weiter ging es auf dem Weg, immer entlang des Hanges, der zum Ufer der Talsperre führte. Viele Stellen boten immer neue Ansichten auf die Ausläufer des Gewässers. Was mir hier seit einiger Zeit auffiel: Es herrschte eine fast komplette Ruhe. Kaum Vögel, kaum ein Windhauch- nur ganz wenig war zu hören. Kurze Zeit vorher, im Bereich der alten Anlegestelle, war es so still, dass es fast wieder unheimlich wurde. Selten habe ich in der Natur so eine Stille genießen dürfen.

Nach rund 4km erreichte ich die Spitze des ersten größeren Ausläufers. Hier mündete der Große Weißbach in die Ohratalsperre.

Nur ein paar Minuten später kam eine kleine Schutzhütte in den Blick, die auf einer Landspitze mit einen tollen Blick auf die Sperrmauer stand.
Hier war auch der erste Touringen-Stempel dieser Tour zu finden. Welch Glück, dass ich mein Stempelheft nicht dabei hatte.. (Ironie aus).
Ich blieb nur kurze Zeit, da ich in der Ferne ein leichtes Rauschen hören konnte- Die Vorsperre Kerngrund war nicht mehr weit entfernt…

Von der kleinen Hütte bis zur Vorsperre waren es nur rund 10min zu laufen. Auf dem Weg fiel mir ganz besonders die grün-blaue Färbung des Wassers auf. Dazu war es noch unheimlich klar- ein deutliches Indiz wie sauer das Gewässer ist. Auch am Speerbauwerk war die Höhe des eigentlichen Wasserstandes zu erkennen.

Kurz nachdem ich die Vorsperre passiert habe, lief ich an einen großen Felsen an Uferseite vorbei. Gut sichtbar war ein kleiner Pfad, den schon Viele vor mir genutzt haben. Auf diesen gelangte ich auf einen Felsvorsprung, von dem man eine gut Sicht auf die Vorsperre und ein Teil der Talsperre hatte- ein idealer Ort zum Drohnenflug.

Nach einer Runde in der Luft und einer kurzen Pause, ging es weiter zu Spitze der Vorsperre, die den Namen des kleinen Baches träft, der hier auch in die Talsperre mündet. Vorbei an einen moosbedeckten Wald und an einer Pegelstation, erreichte die andere Seite des Sperrbauwerkes, an dem ich auch auf die ersten Menschen traf.

Bilder von der Drohne

Immer wieder traf ich auf dem weiteren Weg, auf kleine Aussichtspunkte, die oft auf großen Felsen sich befanden und jedes Mal eine andere Sicht auf den Stausee zuließen. Einfach herrlich waren diese Aussichten und man konnte dort die Ruhe des Gewässers besonders genießen.

Nach rund 2,5h, entschloss ich mich bei der nächsten, der vielen und gut verteilten, Sitzmöglichkeit, die erste größere Pause zu machen. Über die herbstlich gelb gefärbten Birkenspitzen, konnte man auch wieder die große Sperrmauer sehen.

Von hier aus machte ich mich kurze Zeit später in Richtung der zweiten Vorsperre, der Vorsperre Silbergrund, auf, die an der Spitze des größten Ausläufers der Talsperre lag.

Es ging durch ein abgeholztes Waldstück, das auf der Uferseite jedoch schon wieder aufgeforstet wurde. Mittlerweile begegnete ich, nun zur frühen Mittagszeit, immer mehr Leuten, die genauso wie ich, den schönen Rundweg zum Entspannen und Genießen nutzten.

Nach ungefähr 11 Kilometern erreichte ich das Speerwerk der Vorsperre Silbergrund. Auffallend war, dass eine asphaltierte Straße, auch scheinbar in einen guten Zustand, von hier aus in die Talsperre führte und dort auch im Wasser verschwand. Bei Normalpegel wäre diese gar nicht erst sichtbar gewesen.
Ich nehme an, dass diese Straße während des Baus in den 60er Jahren oder zur letzten großen Instandsetzung um die Jahrtausendwende angelegt wurde.

Keine 500m weiter, erreichte ich eine große Weggablung, von der man z.B. Oberhof erreichen oder auf weitere Wanderwege gelangen konnte. Leider bemerkte ich erst später, dass an den kleinen Rastplatz ein paar Meter weiter auch der nächste Touringen-Stempel zu holen war…

Für mich ging es danach erst einmal wieder aufwärts bis hin zum höchsten Punkt der Tour, der auf ungefähr 584m lag. Der Weg war nun auch größtenteils asphaltiert und so kam ich auch schnell voran. Von der letzten Spitze aus, konnte ich bereits die nahe Staumauer sehen, die ich nach 14,5km erreichte.
Auf dem überdachten Aussichtspunkt holte ich mir noch den letzten Touringen-Stempel dieser Tour, ehe es über die Wirtschaftsstraße wieder ins Tal und zum Parkplatz ging, bei dem meine Runde auch endete.

Fazit

Die Rundwanderung um die Ohratalsperre hat meine Erwartungen mehr als erfüllt. Inspiriert durch die vielen Bilder auf Komoot, hat es mich in die Nähe von Oberhof verschlagen und ich wurde nicht enttäuscht.

Am Vormittag war ich faktisch alleine unterwegs und konnte die komplette Ruhe, die abschnittsweise herrschte, völlig genießen. Es gab viele Aussichtspunkte und Sitzgelegenheiten rund um den Stausee, Drohnenflüge waren ohne Einschränkungen möglich.    *

Der Rundweg ist so gut ausgebaut, dass ein längerer Familienausflug, selbst mit Kinderwagen, problemlos möglich ist. Auch ideal: Eine Radtour um die Talsperre, um dann weiter ins nahe Oberhof zu fahren.

Ganz besonders schön stelle ich mir die Gegend übrigens mit Schnee vor. Eine Winterwanderung um die Talsperre würde was Besonderes sein.

Hinweis zum Drohnenflug

Auch wenn das Gebiet der Talsperre als „Frei für den Drohnenflug“ in der Droniq- oder dipul-App angezeigt wird, erreichte uns nach der Veröffentlichung folgende nette Nachricht vom Social-Media-Team der Thüringer Fernwasserversorgung:

„Für das Überfliegen der Talsperre mit einer Drohne benötigen Sie allerdings eine Genehmigung – es handelt sich um sensible Infrastruktur, immerhin befinden wir uns im Trinkwasserschutzgebiet. Auch das Betreten der Uferbereiche ist, wie Sie sicherlich wissen, untersagt. Eine Drehgenehmigung mit Angaben zu Datum und Ort der Aufnahmen können Sie beantragen unter:

presse@thueringer-fernwasser.de

weiter:
„Die Genehmigung geht i.d.R. ziemlich schnell, 2 Tage genügen mit allen Rückläufen. Es reicht eine informelle Anfrage, und wir benötigen dann noch eine Kopie der Drohnenhaftpflichtversicherung. „

Das gilt für alle Trinkwassertalsperren, neben der Ohra- auch die Schmalwasser-, sowie die TS Tambach-Dietharz, Neustadt, Schönbrunn, Scheibe-Alsbach, Leibis/Lichte.

Kurzum: Formlos anfragen und sicher gehen. Danke an das Social-Media-Team für den Hinweis!

 

Art der Strecke

durchweg befestigter Untergrund, abschnittsweise asphaltiert

Wegweisung /Ausschilderung

rundum gut ausgeschildert, aber eigentlich immer am Ufer halten, da kann man nichts verkehrt machen

Einkehrmöglichkeiten

Die Waldbaude am Staudamm ist in den wärmeren Monaten geöffnet, ansonsten gibt es genug Sitzmöglichkeiten

Fotospots

Durch die vielen Aussichtspunkte hat man jede Menge Gelegenheiten, schöne Bilder zu machen. Auch die Drohne kann man bedenkenlos nutzen.

Anspruch

Der Untergrund ist gut, die Anstiege leicht. Ist man bei der Staumauer angelangt, ist eine Umrundung einfach.

Parken, Anfahrt

Parken ist mit einen Tagesticket in Luisenthal direkt am Weg zur Staumauer möglich.

Höhenmeter bis zum Ziel

170m bergauf, 160m bergab

Streckenlänge

15km

Dauer

Gehzeit inkl. kurzer Pausen: rund 4h

Die Tour bei Komoot