Nach dem Hitzetest Richtung Leipzig war klar:
Die nächste Bike-Runde sollte nicht nur ein Experiment bleiben, sondern eine richtige Tour werden, mit Zelt, Gepäck und einer Strecke, die sich lohnt.
Die Wahl fiel auf den Radfernweg „Thüringer Städtekette“, der Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar, Jena, Gera und Altenburg zu einer rund 239 Kilometer langen
Perlenkette quer durch Thüringen verbindet.
Sieben Städte, jede Menge Geschichte, und das Ganze in zwei Tagen.
Die Tourbeschreibung
Tag 1: Eisenach – Gotha – Erfurt – Weimar – Oettern
Mit einer Stunde Verspätung rollte die Bahn in Eisenach ein, entsprechend später als geplant ging es am Hauptbahnhof los.
Immerhin: Der erste Regenschauer des Tages war bereits durchgezogen, es war bewölkt, aber trocken, und recht zügig war ich aus der Stadt raus. Die Wartburg musste diesmal leider warten, die Kilometer riefen.
Nach rund 37 Kilometern erreichte ich Gotha. Wer die Städtekette fährt, sollte hier unbedingt einen Abstecher in die Innenstadt einplanen, man kommt ohnehin nicht direkt daran vorbei. Ich gönnte mir beim Netto-Bäcker erst mal Kaffee und Kuchen, und genau in dem Moment fing es an, leicht zu regnen. Regen besteht ja bekanntlich nur aus Wasser, also ging es kurz darauf weiter.
Und dann, kurz vor den Drei Gleichen, auf dem Weg nach Mühlberg, öffneten sich die Schleusentore.
So musste es ja kommen. Innerhalb von Minuten war ich komplett durch, keine Chance mehr, irgendetwas zu retten.
Dass die Burgen der Drei Gleichen zu den Highlights der Strecke zählen, habe ich bei dem Wetter eher am Rande wahrgenommen.
Ich stellte mich in eine Autobahnunterführung und wartete, bis der Regen endgültig vorbeigezogen war.
Ein Moment, in dem man sich fragt, ob das mit dem Zelt wirklich eine so gute Idee war.
Weiter ging es nach Erfurt. Die Route führt hier mitten durch die sehenswerte Innenstadt, was landschaftlich und kulturell ein Highlight ist. Gleichzeitig war das Radfahren im städtischen Autoverkehr ziemlich halsbrecherisch, wer hier nicht aufpasst…naja.
Ich kam heil durch und ließ Erfurt hinter mir.
Auch Weimars Innenstadt streifte ich nur kurz, dafür kam ich im großen Park an der Ilm an Goethes Gartenhaus vorbei, ein schöner, ruhiger Abschnitt nach dem Trubel der Stadt davor. Die Sonne zeigte sich mittlerweile wieder, und die nassen Klamotten trockneten langsam am Körper.
Kurz nach Mellingen durchquerte ich schließlich die Autobahn und fuhr zum Campingplatz nach Oettern, wo ich die Nacht im Zelt verbrachte.
Nach 115 Kilometern, 700 Höhenmetern und 5:24 Stunden reiner Fahrzeit war Tag 1 geschafft.
Tag 2: Oettern – Jena – Gera – Posterstein – Altenburg
Die Nacht war so la la…Ich konnte nicht wirklich gut schlafen, erholte mich aber doch genügend für den kommenden Tag im Sattel:
Der zweite Tag begann mit einem Klassiker des Bikepackings: Frühstück an der Raststätte Mellingen. Bei Burger King gab es Kaffee und Frühstücksburger, nicht gerade Sternegastronomie, aber warm, schnell und genau das Richtige für den Start.
Schneller als gedacht erreichte ich Jena, dessen Innenstadt ich direkt durchquerte. Anschließend folgte ich durch eine große Parkanlage ganz grob der A4 nach Osten, bis ich in Stadtroda in den Zeitzgrund abbog. Und der hatte es in sich: Obwohl der Himmel den ganzen Tag über durchgehend sonnig blieb, war es im Zeitzgrund ausgesprochen kalt, die Sonne kam in dem engen Tal einfach nicht an.
Einmal Hermsdorf durchquert, von wo aus ich u.a. Ende August schon meine Runde zum Zeulenrodaer Meer gestartet war,
wartete bereits das nächste kühle Tal: das Mühltal.
Hier machte ich die erste kurze Pause, mit dem Ergebnis, dass ich ziemlich durchgefroren in Richtung Gera weiterfuhr.
Wer morgens bei Sonne losfährt und denkt, die Wärmejacke bleibt im Gepäck, wird in diesen Tälern eines Besseren belehrt.
An Gera und der Weißen Elster entlang ging es weiter durch das schöne, jetzt auch wieder angenehm sonnige Gessental nach Ronneburg.
Hier kam endlich Wärme in die Knochen, und mit ihr eine echte Wohltat für die Moral, die nach dem miesen Schlaf im Zelt doch ordentlich durchgerüttelt war.
Bei Burg Posterstein gönnte ich mir dann eine längere Pause, mit Kaffee, Eis und reichlich Kuchen.
Die Burg mit ihren Fachwerkgebäuden und Vierkanthöfen im Umfeld ist ohnehin ein schöner Ort, aber nach dem Tief der letzten Stunden war das hier genau der Moment,
an dem Kraft und Motivation wieder zurückkamen.
Gestärkt und hochmotiviert ging es danach rasant weiter durch Schmölln, bis ich schließlich Altenburg erreichte, die Skatstadt, in der 1810 das Skatspiel erfunden wurde und wo meine Tour endete.
Nach 124 Kilometern, 810 Höhenmetern und 5:59 Stunden reiner Fahrzeit stand das Ziel.
Fazit
Zwei Tage, sieben Städte, 239 Kilometer: Die Thüringer Städtekette ist eine Strecke, die kulturell und landschaftlich mehr zu bieten hat, als man auf den ersten Blick erwartet.
Von der Wartburgstadt Eisenach über die Residenzstadt Gotha, Erfurt und Weimar bis nach Jena, Gera und Altenburg ist für jeden etwas dabei.
Dass ich unterwegs mehr durch die Städte geflogen bin als sie ausführlich erkundet habe, liegt in der Natur einer Zwei-Tages-Tour, und ist zugleich der beste Grund, irgendwann noch mal mit mehr Zeit wiederzukommen.
Besonders in Erinnerung bleiben werden mir der Regenschauer vor den Drei Gleichen, die kalten Täler Zeitzgrund und Mühltal trotz Sonnenschein und natürlich die Kaffeepause auf Burg Posterstein, die den Tag gerettet hat.
Die Nacht im Zelt war weniger erholsam, als ich gehofft hatte, aber auch das gehört zum Bikepacking dazu.
Diese erste kleine Tour, für mich eher ein Test, zeigte mir, dass solche Touren das Richtige für mich ist! 2027 wird mehr kommen!
Tipps
- Wetterschutz einpacken
Regenjacke und wasserdichte Packtaschen sind Pflicht, Schauer können wie bei mir ohne Vorwarnung kommen. - Wärme für die Täler
Auch bei strahlendem Sonnenschein ist es in den Tälern wie Zeitzgrund und Mühltal morgens kalt, eine warme Schicht griffbereit zu haben, lohnt sich. - Zeit für die Städte einplanen
Wer die Städtekette nicht nur durchfahren will, sollte die Etappen kürzer wählen, denn Gotha, Erfurt, Weimar und Jena haben jeweils genug zu bieten.
Höhenmeter bis zum Ziel
1.510m bergauf, 1.550m bergab (Tag 1: 700m / 610m, Tag 2: 810m / 940m)
Streckenlänge
239km (Tag 1: 115km, Tag 2: 124km)
Dauer
Fahrzeit gesamt: 11:23 Std. (Tag 1: 05:24 Std., Tag 2: 05:59 Std.)

































































