Halbzeit auf der grünen Insel Madeira!
Am 4. (Wander) Tag hatte ich nun endlich einen der begehrten Zeitslots auf einer der klassifizierten Wanderwege ergattern können:
Nur eine kurze Autofahrt vom Hotel in Sao Vicente entfernt, verläuft der PR17.
Auf knapp 1000m Höhe, strömt die Levada do Norte durch das Land und verspricht mit langen Tunneln und großen Wasserfällen die Wanderung zu einen tollen Erlebnis werden zu lassen.
Die Tourbeschreibung
Noch bevor der lange Tunnel der Via Expresso 4, der Nord-Süd-Verbindung der Insel und vergleichbar mit einer Bundesstraße, beginnt, bog ich auf die Estrada Regional 228 ab und fuhr mit vielen Kurven zum Startpunkt.
Das Wetter war sonnig, aber man spürte den Temperaturunterschied deutlich: Zum ersten Mal musste ich mich mit langen Hosen und den Fleece-Oberteil auf den Weg machen, nachdem ich mein kleines Auto in die Reihe der parkenden Fahrzeuge eingereiht hatte.
Nur ein paar Schritte weiter und eine kleine Treppe hoch, begann bereits meine Tour, direkt an der rauschenden Levada do Norte, die als eine der größten und wichtigsten auf Madeira gilt.
Immer der Fließrichtung folgend, machte ich mich auf den Weg.
Schon nach kurzer Zeit war klar: Diese Tour bietet einiges.
Der Weg war besonders gut gepflegt, Touristenströme wie schon erlebt, gab es nicht und die Sicht links runter ins Tal war schon besonders.
Vorbei ging es an Palmenpflanzen und Farnen, dazu gesellten sich auch ein paar Hühner, die mit ihren Hahn am Rand der Levada entlangstreiften.
Nach gerade einmal 1km, passierte ich schon den zweiten Rastplatz, der am Rand des Weges sich befand und von den man einen guten Blick aus hatte.
Nach ein wenig mehr als 20min, erreichte ich eine Höhle, wie ich zu diesen Zeitpunkt meinte. Ich wollte erst vorbeigehen, stellte aber schnell fest, dass diese vermeintlich Höhle der Eingang zu einen Tunnel ist und auch man Weg dort entlangführt.
Rund um den Eingang war es recht feucht- ein Anzeichen dafür, dass es in dieser Höhe entweder oft regnet oder zumindest oft nasskalt ist. Ein Blick in den Tunnel verriet so manches:
Das Ende war kaum zu erkennen, was nur bedeuten konnte, dass er unheimlich lang ist oder eben eine Kurve den Blick auf den Ausgang verdeckt.
Abenteuerlustig, ging es rein in die Dunkelheit, in der man sprichwörtlich nicht die Hand vor dem Augen sehen konnte. Die Levada floß rechts an mir entlang und ich ging auf einen 50cm breiten Streifen entlang. Nach kurzer Zeit war klar: der Tunnel war schnurgerade, aber eben sehr lang.
800m um genau zu sein-so konnte ich es später lesen. Wahnsinn. Der Gang entlang feuchter Wände schien kein Ende zu nehmen und die einzigste Lichtquelle, die Lampe des Handy leuchtete nur etwa 2-3m aus.
Im Unklaren, wie lange ich dort drinn unterwegs war, denn man verliert das Zeitgefühl, kam ich schließlich am anderen Ende des Tunnels an.
Kaum raus aus dem Tunnel, fand ich mich wieder inmitten einer dschungelartigen Umgebung. Nass, viel grünen Bäumen und überall Wasserfälle. Ein Erlebnis!
Der kurze, ungefähr 1,3km lange, Abschnitt, war besonders schön und man sollte ihn auf jeden Fall mal gesehen haben.
Immer wieder sah ich diese kleine Highlights, die sich ständig aneinanderreihten: Sei es der Wasserfall im Hang, dessen Wasser nun einen kleinen Kanal zu der Levada herunterrauschte oder auch der natürliche Steinbogen, hinter den sich ebenso wieder ein hoher Wasserfall verbarg.
Irgendwo hier traf ich dann schließlich auf ein belgisches Ehepaar, mit den ich versuchte ein paar Worte zu wechseln und die mich auch nun in den 2. und längeren Tunnel begleiteten, der nun anstand.
Dieser über 1km lange Tunnel hatte es wieder in sich: Wieder stockduster, nasse Wände und eine rauschende Levada, diesmal auf der rechten Seite. Zum Glück laufen die meisten diese Runde in einer Richtung- nicht auszumalen, wenn in diesen Tunnel jemand entgegenkommt. Ein Ausweichen ist auf dem schmalen Pfad kaum möglich. Auch die Levada war einfach zu breit, um sich über sie zu stellen.
Ungefähr mittig der Strecke, ich mit dem Handylicht nur ausgestattet, war ein Teil des Wegen herausgebrochen und kaum passierbar. Die Wände boten kein Halt, aber zum Glück hatten die Belgier vor mir Wanderstöcke dabei, mit denen sie mir halfen. Ohne diese Hilfe hätte es nicht gut ausgesehen: Ein falscher Schritt und ich hätte die Levada an Haut und Haaren gespürt.
Zum Ende hin, wurde es plötzlich immer lauter: Es war nicht wirklich klar woher das Geräusch kam und was es genau war- nur wir kamen immer näher. Zunehmend Ohrenbetäubend laut wurde es.
Bei Verlassen des Tunnels war klar: Das Wasser eines Wasserfalls strömte in die Levada und der Schall im langen Tunnel verstärkte es um so mehr.
Kurz nach dem Tunnel nahm der „Publikumsverkehr“ deutlich zu. Scheinbar haben hier an dieser Stelle viele ihre Pause gemacht und entsprechend viel war los.
Nach knapp 800m kam ich am Beginn eines Aufstieges, bestehend aus vielen hölzernen Stufen an- Ein Blick auf die App verriet, hier bin ich falsch.
Obwohl der PR17 tatsächlich nun bergauf ging, hatte meine Tourenplanung etwas anderes vor:
Kurz orientiert und 500m zurückgelaufen, zeigte mir ein kleiner unscheinbarer Pfad bergab, dass es da lang ging.
Schon hier wurde ich auf die Markierungen des MIUT aufmerksam, die in dichten Abstand zueinander aufgehängt waren und den Teilnehmern den Weg zeigen sollten. Was es sich mit dem MIUT auf sich hat, erfuhr ich erst im Laufe der Tour.
Also ging es abwärts für mich: Auf den schmalen Pfad, der so aussah, als hätte ein Sturzbach sich den Weg nach unten gebahnt, ging es um Meter um Meter nach unten.
Wie mitten im Nirgendwo fühlte ich mich. Zumindest waren weit und breit keine Menschen mehr zu sehen- auch nicht schlecht.
Zum Glück war es so leise- denn wäre es ein weniger lauter gewesen, hätte ich nicht die herunterfahrenden Moutainbiker mitbekommen, die diesen kleinen Trail in einen irren Tempo hinunterstürzten und einen riesen Spaß hatten.
Tatsächlich sah ich erst später, dass dieser Abschnitt ein ausgewiesener Trail war.
Nach rund 2km bergab, erreichte ich wieder die Zivilisation. Die Wald lichtete sich und die Weg wurde immer fester. Gebäude und Anwesen erschienen und ich erkannte schnell wo ich mich eigentlich befand: Unweit der Tunneleinfahrt der Via Expresso 4 kam ich heraus und das lange Tal von Sao Vicente lag vor mir.
Damit war klar: ich muss wieder hoch, denn dort stand schließlich mein Auto.
Half ja alles nichts, denn ich wollte ja schließlich Höhenmeter sammeln. Also 2 Straßen überquert (eine war ich ein paar Stunden vorher erst hochgefahren) und der Aufstieg begann.
Nur ein kurzes Stück musste ich auf der Straße laufen, ehe es wieder in den Wald ging.
Auf angenehm zu laufenden Forst- und Waldwegen ging es nach oben. Ständig an meiner Seite: Die vielen Markierungen des MIUT, die mir sagten, dass ich genau auf dem Trail mich nach oben kämpfe, die nur kurze Zeit später von vielen Trailrunnern genutzt wird. Eine irre Leistung, dass alles laufender Weise zu bezwingen.
Natürlich, wie sollte es anders sein, kam ich nun auch an Abschnitten an, die schier endlos mit den hölzernen Stufen versehen waren. Sicher, aber ermüdend sind diese Dinger und nicht meine Lieblingserfindung, um an einen Berg nach oben zu kommen.
Zwischendurch entdeckte ich noch einen kleinen verborgenen Wasserfall, an den ich mich glatt erfrischt hätte, wenn ich ein Handtuch dabei gehabt hätte.
Mit zunehmender Höhe, wurde es auch merklich kühler und leichter Nieselregen kam hinzu-kein Wunder, die Wolken waren erreicht und über den Gebirge konnte ich die meiste Zeit meines Aufenthaltes auf der Insel immer irgendwelche Wolken erkennen. Nur eben diese in dem Moment waren von der nassen Sorte. Welch ein Glück hatte ich dann am Morgen gehabt.
Nach einiger Zeit erkannte ich die Umrisse einiger Gebäude, die ich schnell zuordnen konnte: Der Endpunkt meiner Tour war erreicht und diese kleinen Gebäude waren ein Restaurant und ein Souveniersshop.
Auf dem Freisitz mit den Banken war natürlich nichts los-Es war einfach viel zu nass und zu wenig. Von der nicht vorhandenen Aussicht ganz mal abgesehen. Der Shop hatte leider zu und ein sehnsüchtig erwarteter Kaffee im Restaurant war irgendwie nicht möglich. Scheinbar gab es gerade ein Wechsel zwischen Mittags- und Kaffeekarte und da war es natürlich nicht möglich einen Kaffee zu servieren.
Naja, wer nicht will.
Also ab ins Auto, dass nicht weit entfernt stand und wieder runter in die Sonne und in den Hotelpool.
Fazit
Der Teil des PR17, den ich gegangen bin, ist ein Erlebnis. Dafür eine Gebühr zu zahlen um 1. alles in Schuss zu halten und 2. die Touristenströme zu reduzieren (was in den Tunneln ein echtes Problem sein kann), nehme ich gerne in Kauf.
So ganz optimal hat es zwar mit der Bucherei anfangs nicht geklappt, aber am Ende wusste ich wie was funktioniert und war für die nächste Bezahltour auf jeden Fall schlauer.
Die Strecke ist toll, gut gepflegt und wirklich ausgesprochen schön.
Ich hätte auf ihr auch bleiben sollen, aber irgendwas hat mich geritten, durch das Tal hindurch wieder auf den Berg zu kommen. Sollte man nicht nochmal machen.
Höhenmeter bis zum Ziel
750m bergauf, 730m bergab
Streckenlänge
13,6km
Dauer
Gehzeit inkl. kurzer Pausen: 4h20min































