2. Tag auf Madeira und eigentlich wollte ich schon auf irgendeinen Berg in der Nähe des Hotels. Doch ein Blick auf die angeblich beste Wetter-App der Region, verriet mir am Vorabend ein aufkommendes Problem:
Regen war angesagt.

Wenn es im Norden regnen soll, ist es im Süden meistens sonnig-soviel habe ich bereits im Vorfeld erfahren können.
Also wurde der Plan mit dem Berg verworfen und eine neue Route herausgesucht:
Eine Levada-Wanderung nördlich von Ponto do Sol, mit den einen oder anderen hochgelobten Highlight…Na dann: nichts wie hin!

Die Tourbeschreibung

Nach einen ersten ausgiebigen Frühstück auf der Insel, machte ich mich auf den Weg: Über die Via Expresso 4, einer Art Bundesstraße, die von São Vicente nach Ribeira Brava führt, fuhr ich nach Süden. Auch passierte ich das erste Mal den langen geraden Tunnel, der unter den Bergen hindurchführt die die Insel wettertechnisch trennt. Auf der einen Seite hängen dicke Wolken, während die Sonne auf der anderen kräftig scheint.

In Ponto de Sol angekommen, lernte ich eine weitere Besonderheit der Insel kennen: Man ist fast ständig auf einen Berghang unterwegs und fährt permanent durch enge Kurven- entweder hoch oder eben runter. Hier stellte sich spätestens heraus, dass mein kleiner weißer Flitzer, ein Fiat 500, geradezu perfekt war. (außer das Röhren des kleinen Motors)

Natürlich fuhr ich erstmal zu der Stelle, an der Komoot eine Parkmöglichkeit angab. Aber an der Kirche von Lombada, war, wie auch in direkter Umgebung, alles bereits vollgeparkt.
Zum ersten Mal bekam ich einen Eindruck davon, wie stark sich der Tourismus in den letzten Jahren gewachsen ist- sehr oft zum Leidwesen der Anwohner, die sich nun zwischen den vielen parkenden Autos an den Straßen vorbeihangeln mussten.

Nach einer kleinen Ehrenrunde in der Ortschaft, reihte ich mich schließlich in eine Schlange parkender Autos ein. Schuhe an und ab ging es.

Bei der kleinen Kirche begann dann der richtige Weg. Einige Besuchergruppen verrieten schon jetzt: Alleine bist du heute garantiert nicht.

Unscheinbar an einer kleinen Levada entlang, ging es los- immer grob nach Norden. Schon hier konnte man gut in das weitläufige Tal blicken, welches rund 100m tiefer lag und einen rauschenden kleinen Fluss beherbergte, der unter anderem eine Bananenplantage mit Wasser versorgte.

Einmal umgedreht und man blickte auf das wunderbare offene Meer hinaus, der in rund 5km Entfernung begann. Umso beeindruckender wenn man bedenkt, dass beim den Blick nach Südwesten absolut nichts zwischen dem Horizont und Brasilien liegt. Über 4800km nur Meer….Irre.

Entlang an der kleinen Levada, schlängelte sich der sehr gut gepflegte Weg weiter- vorbei an moosbewachsenen Hängen, tropfenden Überhängen und kleinen Wasserfällen.

Nach rund einer Stunde, erreichte ich einen kleinen Bach, der rauschend den Hang in das Tal floß. Um ihn zu überwinden, waren Steinstufen verlegt worden. So kam ich trockenen Fusses auf die andere Seite. Ein schöner Spot zum Pausieren oder auch zum Fotografieren.

Trotz des permanenten aber ganz leichten Anstieges, kam ich den Fluss im Tal immer näher. Das Wasser wurde immer lauter und nach fast 5km, erreichte ich eine kleine Übersetzstelle, an der man, über große Steine springend, den tosenden Fluss überwinden konnte.
Obwohl hier auch die Möglichkeit bestand, über Steintreppen die Route abzukürzen, setze ich natürlich den Weg auf der anderen Flussseite inmitten von gelb blühenden Blumen fort.

Alleine war ich schon längst nicht mehr- hier tummelten sich viele Leute. Aber dennoch empfand ich es noch nicht als zu überlaufen.
Kaum ein paar Schritte gelaufen, erreichte ich einen schön angelegten Picknickplatz mit einen tollen Blick auf einen Wasserfall.

Kaum 300m weiter, sollte es wieder zu einer Flussüberquerung kommen. Anstatt, wie die meisten Wanderer, die mehr oder weniger eingetretene Route zu nehmen, entschied ich mich, eine Stelle ein wenig aufwärts und kurz unterhalb des breiten künstlichen Wasserfalls zu nutzen.

Nach ein wenig Felsenkletterei, war das andere Ufer wieder erreicht und der Weg an der Levada konnte weitergehen.
Direkt am Fels führte die kleine Levada entlang, während es auf der anderen Seite immer steiler in die Tiefe ging.

Durch die hohen Felswände und das tief liegende Tal, war auch der GPS-Empfang meiner Fenix gestört, so dass der gelaufene Weg auf der Komoot-Karte komisch aussieht.
Für mich sehr überraschend, erreichte ich nach knapp 2h ein weiteres Highlight dieser Tour:

2 Wasserfälle stürzten hier in die Tiefe, während der Weg dahinter lang führte. Ein Wahnsinn- umso mehr wenn man sowas noch nie erlebt hat.
Ein tolles Bild gab das einfach ab: Alles grün in grün, der Wasserfall, der Weg dahinter und…ein drauf folgender Tunnel in fast kompletter Dunkelheit- Irre!

Ganz am Ende des fast gerade verlaufenden Tunnels konnte man einen kleinen Lichtschein ausmachen, gemischt mit den sich bewegenden Handylampen der Wanderer, die nun, in nicht geringer Zahl, entgegenkamen. Zum Glück war die Levada hier nicht breit, so dass man sich recht bequem über sie stellen konnte und den „Gegenverkehr“ passieren lassen konnte…

Die Tunneldurchschreitung war einer dieser „Wow“-Momente auf Madeira, gerade weil ich zu diesen Zeitpunkt nicht wusste, dass es nicht der letzte Tunnel dieser Wanderwoche sein sollte…

Nun ging es wieder in Richtung Süden- oftmals das Meer im Blick.
Auf dem Rückweg offenbarte sich das Touristenproblem: Viele Wanderer kamen entgegen und so war ein Ausweichen bzw. Warten an der Seite nötig. Vermutlich wollten alle direkt zu dem Wasserfall laufen und nicht den Umweg über das Tal nehmen.

Und das wurde dann irgendwann echt nervig. Wurde die Sicht auf den fortführenden Weg frei, dann konnte man die vielen Leute sehen, die entweder vor mir liefen oder mir noch entgegenkommen sollten.
Dennoch war es beeindruckend, in das grüne Tal mit den dahinter befindlichen Meer zu blicken.

Obwohl sich der Weg zurück ähnelte, wurde es nie langweilig: Zu faszinierend war die Landschaft und die Details, an denen ich vorbei kam.
Kleine Blumen, die an den nassen Felswänden wuchsen, mittelgroße Wasserfälle, die sich den Weg ins Tal bahnten und überall diese Farne, Moose und kleinere Palmenarten.

Nach einiger Zeit, kam die Häuser der Ortschaft am Ende des Weges immer näher und so zeichnete es sich ab, dass die Tour langsam zu seinen Abschluss kommen sollte.

Um nicht wieder an der Kirche herauszukommen, verließ ich die Route kurz vorher und machte mich auf die Suche nach meinen Auto, dass irgendwo zwischen den vielen hinzugekommenen Mietwagen stehen musste. Nun sah ich wieder deutlich, welche Ausmaße der Tourismus angenommen hat:
Rund um den Startpunkt der Tour waren sämtliche Straßen mehr oder weniger zugeparkt. Staus gab es zum Glück nicht und es wurden auch Lücken gelassen, um den laufenden Verkehr überhaupt eine Chance zu geben.

Ohne dass mir irgendjemand irgendwas böses gesagt hätte- ich verweilte nur ganz kurz am gefundenen Auto, bis ich meine Rückfahrt ins Tal begann.
Mit einen kurzen Stopp am Steinstrand von Ribeira Brava, einen Lauschen der Wellen und einen Entspannen in der Sonne, ging es für mich zurück ins Hotel.

Fazit

Es war eine, an der Dauer gemessen, kurze Tour. Weil sie so gut ausgebaut war, vergingen die Kilometer wie im Flug.

Unheimlich toll zu wandern, mit immer neuen Eindrücken. Dazu kam eine bis dato nicht dagewesene Abwechslung: Wasserfälle, Levadas, Felsen, einen rauschenden Fluss, gute Weitsicht und und und…

Kein Wunder also, dass diese einfache Strecke so beliebt ist, was gleichzeitig auch wieder das große Manko ist. Auch wenn ich es nicht als nicht zu überlaufen bezeichnen würde (dabei weiß ich nicht, wieviel zu anderen Uhrzeiten los ist), waren es für meinen Geschmack zu viele Leute.
Auch das ständige Entgegenkommen war nervig.

Mich würde es nicht wundern, wenn diese Tour bald zu den anmelde-und bezahlpflichtigen PR’s sich hinzugesellen würde und eine Art Oneway-Route entsteht.
Aber selbst dann, wäre ein Obolus bei den Highlights und der gute Pflege durchaus angemessen.

Art der Strecke

Überwiegend befestigter Boden, teilweise steinig und abschnittsweise nass

Wegweisung /Ausschilderung

ausgeschildert, aber da es ein Rundweg ist kann man sich nicht verlaufen- im Zweifel: den Leuten hinterher

Einkehrmöglichkeiten

Pausenmöglichkeiten gibt es rund um die Übersetzstelle am Fluss. Ansonsten ist da eigentlich nichts

Fotospots

Kamera raus und griffbereit halten! Mehr braucht man dazu nicht sagen

Anspruch

Nur sehr geringe Anstiege. Sehr einfach zu laufen. Bei hohen Temperaturen aufpassen! Schatten gibt es nicht viel

Parken, Anfahrt

rund die kleine Kirche muss man sich an den Rand der Straße stellen. Zeitig vor Ort sein! Ansonsten ist alles überfüllt

Höhenmeter bis zum Ziel

180m bergauf, 160m bergab

Streckenlänge

10,9km

Dauer

Gehzeit inkl. kurzer Pausen: rund 3h 15min

Die Tour bei Komoot